Tattoos und gute Vorsätze

Tattoos und gute Vorsätze

Neues Jahr – neues Glück?

 

Neuanfang mit und ohne bleibenden Eindruck

 

Das Neue Jahr hat angefangen, und wir sind wieder vollbepackt mit Vorsätzen, Visionen und Selbstoptimierung. Mit dem Sektglas in der Hand und reichlich beschwipst, verkündest du deine Neujahrsvorsätze am Silvesterabend. Nun, das neue Jahr ist mittlerweile schon ein paar Tage alt – was sagt die erste Zwischenbilanz? Joggen wir noch regelmäßig zweimal die Woche? Halten wir es aus ohne den gewohnten Glimmstängel? Fällt Fasten immer noch leicht, fahren wir mit dem Fahrrad statt Auto zum Einkaufen? All die guten Vorsätze haben sicherlich ihre Berechtigung – aber startet nicht alles schon mit der Krux, dass die Vorsätze einer gewissen Haltbarkeit unterliegen, dass sie eben nur in begrenztem Zeitrahmen durchzuhalten sind? Dass die Erinnerung an die „Gute Idee“ verblasst und spätestens Ende des Monats verflüchtigt ist?

Einer psychologischen Studie nach erreichen nur 8 Prozent all derjenigen, die sich zu Neujahr neue Ziele setzen, eine einigermaßen kontinuierliche und brauchbare Umsetzung ihrer Vorstellungen.

Warum ist das so? Ein guter Grund, warum Vorsätze zu Sylvester scheitern, besteht darin, dass die hier gefassten Ziele aus einer negativen Haltung heraus gefasst werden. Die Vorsätze sollen das aufwerten, was man an sich als mangelhaft und ungenügend begreift. Und nun gelobt man Besserungen. Es müsste gejoggt werden, dann wäre ich ein so viel besserer Mensch. Ich verzichte ganz auf Schokolade – erst dann kommt die Traumfigur. Ziele, die aus dem Gefühl heraus entstehen, dass ich nicht gut genug bin oder nicht mithalten kann, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt! Denn sie entstehen aus einem Mangel. Selbstoptimierung ohne warmherzige Selbstbetrachtung und Verständnis um seine eigenen Fähigkeiten und der individuellen Persönlichkeit funktioniert nicht. Wenn ich etwas verändern will, muss ich mein Warum kennen! Und brauche wirklich existenzielle Gründe, eindrückliche Bilder und Erinnerungen!

Hier kommt das Tattoo ins Spiel. Auch beim Tätowieren haben wir die Situation, dass ich mit einem Sinnspruch, einem Symbol, einem ästhetischen Ausdruck oder einem Bild eine bleibende Veränderung meines Erscheinungsbildes bewirken will. Und diese Veränderung bleibt. Sie kann auch als Erinnerung an einen besonders intensiven Moment im Leben, schmerzlich wie freudig, dienen. Und auf diese Weise immer an etwas erinnern, das Leben mit Bedeutung füllen. Bevor es zu einer Tätowierung kommt, gibt es immer ein Gespräch, wie und warum ein Tattoo gestochen werden soll. Wir von „Tattoo Anansi“ bekommen dann oft das Bedürfnis zu spüren, dass ein Tattoo Symbol für einen Neuanfang sein soll.

Das könnte dann zum Beispiel ein Schmetterlingsmotiv darstellen, da ja bekanntlich die Raupe Raupe sich in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt.

Oder du willst ab jetzt mutiger durchs Leben schreiten? Dann ist dieser spanische Ausdruck wie für dich gemacht. „Sin miedo“ bedeutet übersetzt „ohne Angst“.

Ganz egal, was für ein Tattoo es letztendlich auch sein mag, es wird dich auf jeden Fall ein Leben lang an deine wichtigsten Ziele erinnern.

Tattoos können auch ein Zeichen darstellen für ein Ende einer Beziehung, so dass der Start für einen Neuanfang erst möglich wird. So hat etwa Selena Gomez das Ende ihre Beziehung zu Justin Bieber in einem Tattoo manifestiert. Hier wurde ein neuer Lebensabschnitt gestochen. „Liebe dich selbst zuerst.“, heißt es da unter der Achsel. Das ist eine Ansage zu einem neuen Lebensabschnitt – ohne Justin Bieber.

 

Das Thema Tattoo und Neuanfang kann aber auch aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet werden. Denk einmal daran, wie oft eine Tätowierung dazu benutzt wird, Narben und andere Verletzungen visuell zu verändern, so dass die vermeintlichen Traumata in einem neuen positiveren Licht erstrahlen. Narbenüberdeckende Tattoos können allgemein für Menschen, die unter entstellenden Narben leiden oder die durch ihre Narben an traumatische Erlebnisse erinnert werden, eine große Hilfe sein. Dazu zählen zum Beispiel Verbrennungsnarben, Narben nach Unfällen, Narben durch Gewalteinwirkung, Ritznarben, Operationsnarben aller Art, wie nach einem Kaiserschnitt, aber auch störende Dehnungsstreifen. Hier kann ein Tattoo Wunder bewirken – und einen Neuanfang.

 

Bleibt festzuhalten: Willst du einen Neuanfang in deinem Leben – dann überlege dir gut, wie du ihn umsetzen willst. Was dich daran erinnert, warum du neu anfangen willst. Etwas, das dir beim Durchhalten der neuen Vorsätze hilft. Und das Symbol deiner neuen Lebens-Challenge darstellt. Hier kann ein Tattoo bleibenden Eindruck schaffen – und stets für Motivation sorgen, die Vision deines Lebens umzusetzen. Lass dich stechen – und bleib auf deinem eigenen Weg.

Text: Julian Bachmann